Das SE befasst sich mit Formen des filmischen Erzählens in der Erzählliteratur. Das filmische Erzählen entsteht früher als der Film selbst, vermittelt durch die Technisierung der Wahrnehmung (Fotografie) und die Mobilisierung des Sehens (Eisenbahn). Als Zeitkunst reagiert die erzählende Literatur darauf mit Formen des erzählten Bewegtbilds: Die Darstellung von Panoramen, Zugfahrten und harten Schnitten im szenischen Erzählen des Realismus lässt an Kamerafahrten, Voice-Over und Montage denken. Dabei entsteht der Eindruck einer Modernität der ästhetischen Wahrnehmung, der oftmals mit der Modernität der Gegenstände (Industrialisierung, Großstadt, Demokratisierung) korreliert. In der Frühzeit des Kinos zu Beginn des 20. Jahrhunderts reagiert die Literatur darauf nicht zuletzt durch ihre vieldiskutierte „Sprachkrise“ sowie eine ausführlichen Debatte über das Kino. Die nun explizite Adaption filmischer Darstellungsmuster führt zu einer Institutionalisierung und Ausdifferenzierung des filmischen Erzählens. Das SE erforscht dieses filmische Erzählen durch die konzentrierte Analyse von Kurzprosatexten und Textausschnitten (u.a. Fanny Lewald, Adalbert Stifter, Alfred Döblin, Vicki Baum, Peter Weiss).Arbeitsleistung: Thesenpapier
Stephan Brössel: Filmisches Erzählen. Typologie und Geschichte. Berlin/Boston 2014.
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